Gedanken z. Monatsspruch
„Gottes Hilfe habe ich erfahren bis zum heutigen Tag und stehe nun hier und bin sein Zeuge." Apg 26,22
von Pfarrerin Christina Wächter, Evangelische Dreieinigkeitsgemeinde Bietigheim-Muggensturm-Ötigheim
18. September 2022. Stadtkirche in Pforzheim. Wir feiern Ordinationsgottesdienst. Zusammen mit neun Kolleginnen und Kollegen werde ich ordiniert und für meinen Dienst als Pfarrerin gesegnet. Der Monatsspruch ist mein Ordinationsvers, den ich mir ausgesucht habe. Eine Situation bei der Ordination steht mir noch deutlich vor Augen: Nachdem mir die Landesbischöfin meinen Ordinationsvers zugesprochen und ich gesegnet wurde, gratuliert mir ein älterer Mann mit den Worten: „Zeuge zu sein ist nicht leicht.“ Seine Worte bringen mich heute noch ins Nachdenken. Hat der Mann recht? Ist Zeugin und Zeuge für Gott zu sein nicht leicht?
Es gibt Situationen, in denen es leichtfällt, über Gott und den Glauben zu sprechen. Wenn da Menschen sind, die auch an Gott glauben oder dem Glauben offen gegenüberstehen. Aber dann gibt es auch die Orte, in denen es schwerfällt, sich als Christin oder Christ zu outen. Auf der Arbeit erzählen, dass man sonntags im Gottesdienst war, wenn man nach dem vergangenen Wochenende gefragt wird? Preisgeben, warum man Kirchenmitglied ist, wenn der Nachbar von seinem Kirchenaustritt erzählt? Gar nicht so leicht.
Und trotzdem: Weiterhin versuchen, Zeugin und Zeuge zu sein. Wie Paulus, der diese Worte gesprochen hat. Jede und jeder dort, wo Gott sie und ihn hingestellt hat: In der Schule, am Arbeitsplatz, in der Familie, im Verein, unter Freundinnen und Freunden, in der Gemeinde. Erzählen, wo wir Gottes Hilfe schon erfahren haben. Leicht ist es sicher nicht immer. Aber gut möglich, dass wir auch dabei Gottes Hilfe erfahren.

