Gedanken z. Monatsspruch
„Zu dir rufe ich, Herr; denn Feuer hat das Gras der Steppe gefressen, die Flammen haben alle Bäume auf dem Feld verbrannt. Auch die Tiere auf dem Feld schreien lechzend zu dir; denn die Bäche sind vertrocknet.“
von Pfarrer und Dekanstellvertreter Dr. Ulrich Zimmermann, Evangelische Thomasgemeinde Rastatt
Diese Zeilen schreibe ich Anfang April. Mehrere Tage lang konnten wir schönes, sonniges Frühlingswetter genießen. Gleichzeitig wurde in diesen Tagen vielfach der viel zu trockene Frühling beklagt: Die Böden trocknen aus, weil die erblühenden Pflanzen das noch darin verfügbare Wasser herausziehen. Die Flüsse und Seen wie der Bodensee fallen trocken, so dass der Transport von Menschen und Waren per Schiff eingeschränkt werden muss. Und schon im April steigt die Waldbrandgefahr.
Was für eine frappierende Parallele zu der verheerenden Dürre, die der biblische Prophet Joel im ersten Kapitel seines Buches beschreibt! Der Prophet beklagt die Not seines Volkes im Gebet und bittet Gott um sein helfendes und rettendes Eingreifen. Offenbar handelt es sich dabei um einen geschichtlichen Rückblick, denn schon im folgenden Kapitel wird beschrieben, dass Gott das Gebet des Propheten erhört und die Not seines Volkes gewendet hat.
Die Heuschreckenplage und die Dürre, die das Land heimgesucht haben, deutet der Prophet als Strafgericht Gottes über sein Volk. Deshalb bittet er Gott darum, davon abzusehen und seinem Volk eine gute Zukunft zu ermöglichen.
Welche Folgerungen können wir für uns heute daraus ziehen? In dem landwirtschaftlich geprägten Dorf, aus dem meine Frau stammt, gab es früher in Zeiten der Trockenheit Erntebittgottesdienste, in denen um Regen für die Felder gebetet wurde. Solche Gottesdienste scheinen heute aus der Mode gekommen zu sein. Vielleicht hilft uns ein neues Verständnis des göttlichen Strafgerichts. Denn dieses bedeutet ja nicht, dass Gott willkürlich irgendwelche Katastrophen über die Menschen schickt. Vielmehr überlässt er die Menschen oft einfach den schädlichen Folgen ihres eigenen Handelns. Und wir spüren heute deutlich die Folgen des menschengemachten Klimawandels - weil wir Menschen Gottes Auftrag missachtet haben, seine Schöpfung zu bewahren (Genesis 2,15).
Wie wäre es, wenn wir nach dem Vorbild des Propheten Joel Gott um Weisheit bitten - für die Regierenden bei uns und in aller Welt und auch für unser eigenes klimafreundliches Alltagsverhalten, um die schlimmsten Folgen des Klimawandels abzuwenden und unserem Volk und der Welt eine gute Zukunft zu ermöglichen?

