Gedanken z. Monatsspruch
"Jesus Christus spricht: Liebt eure Feinde; tut denen Gutes, die euch hassen! Segnet die, die euch verfluchen; betet für die, die euch beschimpfen!" Lk 6,27-28 (E)
von Diakonin Christine Ettwein, Krankenhausseelsorgerin Rastatt und Vernetzung Koop.raum Rhein-Murg

Es gibt Feinde. Es gibt Hass. Es gibt die Erfahrung, verflucht und beschimpft zu werden. – Und so soll das neue Jahr beginnen? Wenn ich es mir aussuchen könnte - nicht. Aber wie oft habe ich keine Wahl? Die Umstände kann ich nicht verändern, nur meine Haltung dazu. Und da bietet Jesus an, paradox zu reagieren: Liebe zu üben, Gutes zu tun, zu segnen und zu beten. Das kann ich nicht so einfach, aber deshalb gar nicht erst damit anfangen? Nein! Ich drehe die Reihenfolge um und starte mit dem Beten, das hilft mir, einen Schritt zurückzutreten, die Perspektive auf die Situation zu verändern. Da ist die Jahreslosung wie eine Leitplanke: Prüft alles und behaltet das Gute! (1. Thess. 5,21). Wenn ich betend prüfe, was mir widerfährt, kommen die „gottgewollten“ Reaktionen möglicherweise wie von selbst. Da erlebe ich zum Beispiel, dass sich die Wut, die ich jemandem gegenüber empfinde, der mich schlecht behandelt, sogar in Dankbarkeit wandeln kann, weil sie der Anstoß für Veränderungen ist. Wer hätte das gedacht? Jesus vielleicht? Dann ist nämlich auch das Segnen aus ehrlichem Herzen möglich. Oder das Gutes-Tun und ganz vielleicht auch das Lieben. Ich will weiter prüfen, was mir begegnet und das Gute behalten. Wenn ich so darüber nachdenke, macht es mich neugierig auf das Neue Jahr und seine paradoxen Abenteuer.
