Gedanken z. Monatsspruch

MONAT November 2024
 
"Wir warten aber auf einen neuen Himmel und eine neue Erde nach seiner Verheißung, in denen Gerechtigkeit wohnt." 2. Petr 3,13
von Pfarrerin Mirjam Keim, Evangelische Friedensgemeinde Baden-Baden

Warten. Das gehört eigentlich erst in den Dezember. In die Adventszeit. Warten, geduldig sein. Das ist nicht meine Stärke. Warten. Das ist anstrengend. Vor allem dann, wenn ich nicht so recht weiß, auf was ich warten soll. Und wenn ich nicht so genau weiß, wann das Warten eine Ende haben wird. In der Adventszeit gibt es einen klaren Zielpunkt, auf den hin wir warten. Weihnachten. Die Geburt Jesu. Der Adventskalender hilft, die Tage zu zählen, die Kerzen am Adventskranz markieren das Vorschreiten in Richtung Heilig Abend. 
Wir warten aber auf einen neuen Himmel und eine neue Erde. Puh. Ganz schön allgemein. Und so unkonkret. Beim Kind in der Krippe, da kann ich mir etwas vorstellen, aber was soll schon ein neuer Himmel sein. Eine neue Erde. Wenn ich mir die Nachrichten über die Wetterereignisse und die dramatischen Auswirkungen ansehe, dann kann ich mir eine Vorstellung machen, was das sein könnte. Ein Himmel, der keine Wassermassen und keine Hitzerekorde hervorbringt, eine Erde, auf der alle Menschen leben können. Ohne Hunger und Durst, ohne Kriege und Vertreibung. Ist es das, auf das wir warten sollen?
Die Band Silbermond sing in ihrem Song: Wann reißt der Himmel auf? „Ist nicht irgendwo da draußen 'n bisschen Glück für mich? Irgendwo ein Tunnelende, das Licht verspricht? Er will so viel doch eigentlich nicht. Nur ein kleines bisschen Glück. Wann reißt der Himmel auf?
Auch für mich, auch für mich.“ 
Nur ein kleines bisschen Glück, ein bisschen Gerechtigkeit in dieser Welt. 
Dafür lohnt es sich schon zu warten. 
Die Malerin Paula Modersohn-Becker schrieb in einem Brief an ihre Schwester im November 1906: „Man muss nur warten können, das Glück kommt schon.“
Da ist eine ganze Portion Zuversicht drin. Ist es so, dass es gut werden wird? Ist es so, dass der neue Himmel und die neue Erde mit der Gerechtigkeit kommen wird? 
Warten, geduldig sein. Dass der Himmel aufreißt und die Sonne hindurchkommt. Dass vielleicht schon hier und jetzt der neue Himmel hindurchscheint, dass schon jetzt die Erde lebenswert bleibt. Dass Menschen zu Menschen halten und füreinander einstehen. Dass es gerecht zugeht unter uns. Ich mache mich auf die Suche. Ich übe mich im geduldig sein.  
Wann reißt der Himmel auf? Ich schaue in den Himmel und sehe auf die Erde. Ich nehme wahr und lege meine Möglichkeiten dazu an Geduld und Tatkraft. Veränderungskraft.