Gedanken z. Monatsspruch
MONAT Oktober 2024
„Die Güte des HERRN ist's, dass wir nicht gar aus sind, seine Barmherzigkeit hat noch kein Ende, sondern sie ist alle Morgen neu, und deine Treue ist groß.“ Klagelieder 3,22-23 (L)
von Pfarrer und Dekanstellvertreter Dr. Ulrich Zimmermann, Evangelische Thomasgemeinde Rastatt
Was kann uns in diesen bewegten Zeiten Hoffnung geben? Grund zur Klage finden wir genug: Unzufriedenheit mit der eigenen Lage, mit der Regierung, Terror und Krieg hierzulande und in anderen Ländern und vieles mehr. Aber was gibt uns Hoffnung in dieser Zeit?
Im biblischen Buch der Klagelieder klagen Menschen, weil der Tempel Gottes in Jerusalem zerstört und das Volk Israel in die Verbannung verschleppt wurde. Aber mitten im Dunkel der Klage über das zerstörte Jerusalem scheint plötzlich wieder ein Licht der Hoffnung auf: „Die Güte des HERRN ist's, dass wir nicht gar aus sind, seine Barmherzigkeit hat noch kein Ende, sondern sie ist alle Morgen neu, und deine Treue ist groß.“
Die Beter sagen hier: Auch wenn mir alle anderen Sicherheiten wegschwimmen – deine Nähe, Gott, deinen Beistand und deinen Trost kann mir niemand nehmen. Daran halte ich mich fest. Diese Glaubenserfahrung hat Israel in ganz besonderem Maß gemacht. Wie oft haben die Israeliten erlebt, dass selbst dort, wo alles gegen sie sprach, ihnen eben nicht der Garaus gemacht wurde, auch zu der Zeit, als aus der Mitte unseres Landes und unseres Volkes heraus versucht wurde, die Juden ein für allemal zu vernichten: Dass unser Volk trotz allem nicht ausgelöscht wurde, dass wir leben und in eine neue Zukunft schauen dürfen – das haben das haben wir einzig und allein der Güte Gottes zu verdanken. Mögen die Menschen in Israel und Gaza das auch jetzt erfahren.
Gott zaubert Erfahrungen von Leid und Not nicht einfach weg. Wir müssen sie aushalten. Aber sie haben die letzte zerstörerische Kraft verloren. Christinnen und Christen wissen das seit Ostern, als Jesus Christus von den Toten auferweckt wurde. Jesus Christus hat den Tod nicht einfach beseitigt. Aber der Tod hat nicht das letzte Wort und Urteil über unser Leben zu sprechen. Das ist die Hoffnung für alle, die auf Christus als den auferstandenen Herrn vertrauen. Denn an Ostern hat Gott endgültig unter Beweis gestellt: Selbst im tiefsten Dunkel kann Gott einen neuen Anfang schenken. Und dem Leben, das er schenkt, kann nie und nimmer der Garaus gemacht werden, durch keine Macht der Welt.

