Gedanken z. Monatsspruch

MONAT August 2024
 
"Der HERR heilt, die zerbrochenen Herzens sind, und verbindet ihre Wunden. Psalm 147, 3 (L)
von Pfarrer Alexander Kunick, Evangelische Kirchengemeinde in Gaggenau

Das ist ein Hoffnungsschimmer. Dass Wunden verbunden und gebrochene Herzen geheilt werden. Israel war im Exil, fern der Heimat. Alles, was den Menschen lieb war, hatte sich in Nichts aufgelöst. Da war Schmerz über Verlorenes. Die Häuser, in denen man wohnte, der Tempel, in dem man betete, gab es nicht mehr. Einfach weg, durch die politischen Ereignisse der Zeit, durch Kriegswirren.
70 Jahre dauerte die Exilzeit in Babylon. Mehrere Generationen hatten daran zu knabbern. Erst für die Letzten zeichnete sich eine Wende ab. Ein Hoffnungsschimmer am Horizont. Die Rückkehr, die Heilung, ein neuer Anfang.
Ich frage mich: Lassen sich Wunden so einfach verbinden? Vor allem: Lassen sich gebrochene Herzen heilen? Das muss man Menschen fragen, die schon einmal eine traumatische Erfahrung gemacht haben. Die Zeit heilt jedenfalls nicht. Zeit heilt Wunden, nein, das tut sie nicht. Die Zeit geht über alles hinweg, der Schmerz bleibt. Weg geht er jedenfalls nicht.
Was dann? Es wäre zu einfach, dieses oder jenes Rezept anzubieten, das gebrochene Herzen heilt. Weil jede/r nur für sich entscheiden kann, was hilft. Was neue Horizonte öffnet, Perspektiven aufzeigt.
Für sich sein. Gemeinschaft. Gespräche. Weggehen aus der Umgebung, die an den Verlust erinnert. Neuer Anfang. Sich stellen. Fliehen. Gebet. Gott. Glaube.
In unserem Monatsspruch ist es Gott, der hilft. Nach einer langen Zeit ohne Hoffnung zeichnet sich ein Silberstreif am Horizont ab. Das Volk Israel kehrt zurück in seine Heimat. Ein Neuanfang, wenn auch ein ambivalenter. Das Land liegt brach, die Häuser sind unbewohnbar, der Tempel liegt in Trümmern.
Ambivalent, zwiespältig, ungewiss. So sieht der Neuanfang nach einer langen, schweren Zeit aus. Das ist realistisch, ehrlich. Man ist zwar zurückgekehrt, hat wieder einen Standpunkt, aber jetzt geht die Arbeit erst los. Wunden die verbunden sind, müssen heilen, werden irgendwann zu Narben. Herzen, die zerbrochen sind, müssen ganz werden. Das passiert nicht von heute auf Morgen, das kann viel Zeit in Anspruch nehmen. Zeit heilt nicht, nur weil sie ins Land geht, aber sie verändert, sobald ein Faden aufgenommen wurde. Sobald ein Punkt gefunden wurde, der sich Neuanfang nennen kann.
Gott hat seine Hände im Spiel auf unserem Weg, der von uns liegt. Er begleitet. Er führt. Er heilt. Er liebt.
Herzlich grüßt Sie,
Pfarrer Alexander Kunick aus Gaggenau