„Alles ist mir erlaubt“ – das klingt nach der ganz großen Freiheit! Einfach machen, was ich will, ohne Rücksicht auf Verluste. Vor knapp 2000 Jahren haben die Menschen in der Multikulti-Hafenstadt Korinth sie scheinbar gelebt, die „große Freiheit“ und Essen, Trinken, Feiern und Sexualität maßlos, grenzenlos ausgelebt.
Paulus setzt dem eine Aussage entgegen, die ich auch heute noch als topaktuelle ethische Lebensregel empfinde: „Alles ist erlaubt. Aber nicht alles tut gut. Dir nicht und anderen nicht. Und nichts soll Macht über dich haben.“
Wie viel leichter wäre es, wenn Paulus das Leben ganz klar in schwarz und weiß einteilen würde, in „Du darfst“ und „Du darfst nicht“. Viele Menschen in unserer immer komplexeren Welt scheinen sich nach solch einer Einfachheit zu sehnen und auch deshalb Gemeinden und Gruppen zu suchen, in denen solch ein Schwarz-Weiß-Denken vorgelebt wird. Aber so einfach macht Paulus es uns nicht. Wir haben alle Freiheit und zugleich die Verantwortung zu entscheiden, wo diese Freiheit ihre Grenzen hat. Ein paar Beispiele aus unserer heutigen freien Gesellschaft:
Alles ist uns erlaubt, auch rund um die Uhr zu arbeiten und ständig knapp an der Überlastungsgrenze unterwegs zu sein. Aber es dient nicht zum Guten – uns nicht, unserer Gesundheit nicht, unserem Familienleben nicht.
Alles ist uns erlaubt. Auch so viel Fleisch zu essen, wie wir wollen und mehrmals im Jahr in Urlaub zu fliegen. Aber es dient nicht zum Guten. Es zerstört Gottes Schöpfung und entzieht den nachfolgenden Generationen die Lebensgrundlage.
Alles ist uns erlaubt. Auch, ein Smartphone zu benutzen. Aber wenn Studien dann ergeben, dass der durchschnittliche Erwachsene aufs Jahr gerechnet 3 Monate an diesem kleinen Bildschirm verbringt und sein Handy etwa 64 x am Tag entsperrt, dann hat das handliche Gerät eine immense Macht über uns gewonnen.
Der Monatsspruch hat es ganz schön in sich. Er fordert uns zum eigenen Denken auf, denn Freiheit und Verantwortung gehören untrennbar zusammen.