Monat April 2024

Gedanken zum Monatsspruch

“Seid stets bereit, Rede und Antwort zu stehen, wenn jemand von euch Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die in euch ist". 1 Petr 3,15 (Zürcher Bibel) 
von Pfarrerin Ute Jäger-Fleming, Evangelische Paulusgemeinde Baden-Baden 

Wer in diesen letzten Tagen des März nach Baden-Baden fährt, kommt nicht daran vorbei. Es wimmelt in der Stadt von Besucher*innen aus aller Welt. Sie sind nicht zu übersehen: ob mit Einkaufstaschen bepackt in der Fußgängerzone oder in Abendgarderobe auf dem Sprung zum Konzert im Festspielhaus. Es liegt auf der Hand: Baden-Baden ist wieder im Oster-Festspiel-Fieber.
Genauso klar ist, dass auch in den Kirchen in dieser Zeit etwas Außergewöhnliches stattfindet, wenn auch weniger aufsehenerregend. Denn im Jahr 2024 sind Christen eine Minderheit in unserer Gesellschaft. Es wimmelt schon lange nicht mehr von denen, die an Ostern die Gottesdienste besuchen und viele müssen sich inzwischen von Freunden und Familie fragen lassen: Was gibt es denn da zu feiern? Glaubst Du das wirklich, dass jemand von den Toten auferweckt werden kann? War das nicht bloß ein billiger Werbetrick der Jesussekte, damit ihnen nach Verurteilung und Hinrichtung ihres charismatischen Anführers die Anhänger nicht verloren gehen? 
Und ich frage mich: Was soll man darauf antworten?
Auch gegen Ende des ersten Jahrhunderts, als der 1. Petrusbrief verfasst wurde, gab es wenig Verständnis dafür, dass Menschen noch immer diesem Christus und seiner Lehre anhingen. Christen erhielten Drohungen und wurden anonym angezeigt wegen ihres Glaubens. Sie verheimlichten ihn nicht. Böses zahlten sie nicht mit Bösem heim, Beleidigungen erwiderten sie nicht. Stattdessen suchten sie haltbaren Frieden. Das war der Anspruch ihres Glaubens, der sie auffällig machte.    
Der Autor des Briefs schrieb in einem gebildeten Griechisch. Er hätte sich sicher gut über Sophokles und sein Stück Elektra, das in der Vertonung von Strauss während der Osterfestspiele in Baden-Baden aufgeführt wurde, austauschen können. Seine Worte galten Christen, die weit verstreut lebten. Er machte ihnen Mut. Sie sollten ruhig weiter auffallen durch ihr christliches Verhalten und sich so fragen lassen: Warum tut ihr das? Die Antwort liegt auf der Hand.