Gedanken zum Monatsspruch

„Alle Schrift, von Gott eingegeben, ist nütze zur Lehre, zur Zurechtweisung, zur Besserung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit". 2 Tim 3,16 (L)
von Pfarrerin/Religionslehrerin Dr. Anja Steinberg, Baden-Baden

„Darf ich nächste Reli-Stunde mal meine Bibel mitbringen?“, fragt mich eine Grundschülerin kürzlich und strahlt dabei übers ganze Gesicht. „Die gehört nur mir. Ich will sie dir zeigen.“, fügt sie schnell hinzu. Wie schön, denke ich: Der Stolz des Mädchens auf ihre Bibel ist nicht selbstverständlich.
Doch, sie hat recht, eine Bibel ist etwas Besonderes. Manchmal steht mit einer persönlichen Bibel eine bestimmte Erinnerung, ein Lebensereignis, in Verbindung. Manchmal sind es einzelne Bibelverse, die einen sehr persönlichen Wert, bis hin zu einer persönlichen Geschichte, haben.
Der Monatsspruch für Februar 2024 steht im vorletzten Kapitel des Timotheusbriefes. Timotheus war einer der wichtigsten Weggefährten des Apostels Paulus. Als Sohn einer Jüdin und eines Griechen kam er durch Paulus mit dem christlichen Glauben in Berührung. Daneben wird im Timotheusbrief der christliche Glaube auch als ein wesentliches Element in der Familientradition verstanden. Heute sprechen wir häufig von christlichen „Prägungen“. Das familiäre Umfeld oder „Vorbilder“ können im eigenen Glauben sehr bedeutend sein. In den Fußtapfen von Paulus wurde Timotheus selbst Gemeindeleiter. Seine Gemeinde ist sozial bunt gemischt. Auch, wenn sich der Monatsvers zunächst so lesen lässt, als sei er nur an Timotheus selbst adressiert, richten sich die Worte an die ganze Gemeinde: „Alle Schrift, von Gott eingegeben, ist nütze zur Lehre, zur Zurechtweisung, zur Besserung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit.“ – Timotheus ist als Gemeindeleiter nicht allein angesprochen. Jede und jeder Einzelne in der christlichen Gemeinschaft ist hier im Blick. Nur in der Gemeinschaft wird Glaube lebendig.
Die „Schrift“ zur „Lehre“ lässt sich gemeinsam besser bedenken, verstehen, diskutieren oder auch anfragen. Dabei ist der Maßstab, die „Zurechtweisung, Besserung und Erziehung in der Gerechtigkeit“ zwar durchaus hochgesetzt, doch auch er gründet sich wiederum darin, dass wir in der Gemeinde immer miteinander – und niemals allein – unterwegs sind. Genau, wie auch schon Timotheus nicht nur „Leiter“ seiner Gemeinde, sondern auch Teil derselben gewesen ist. Das macht mir Mut. Ich bin als Christin keine Einzelkämpferin!
Die Bibel beinhaltet eine Vielfalt an „Lehren“, auch für unseren Alltag heute. Als Teil der christlichen Gemeinschaft kann jede und jeder von uns von der Bibel lehren und lernen zugleich.