Worin erkenne ich Gott? Manchmal wünsche ich mir die „Leichtigkeit“ meiner Schülerinnen und Schüler: Im Religionsunterricht spricht eine Sechstklässlerin davon, wie beeindruckend sie es findet, dass Jesus übers Wasser gehen konnte. Ein Junge in der ersten Klasse sagt über die Erde, über uns Menschen und die Tiere ganz selbstverständlich: Gott hat alles erschaffen. Auch das Staunen und die Stille, während ich in den letzten Tagen meiner fünften Klasse eine biblische Geschichte erzählt habe, hat mich wieder von Neuem berührt.
Der Monatsspruch für November klingt wie ein Lob Gottes. Ursprünglich jedoch stammen die Verse aus dem Hiobbuch. Hiob erlebt sich als unschuldiger Leidender. Er klagt Gott an. Seine Freunde versuchen vergeblich, ihn zu trösten. Gottes Macht tröstet Hiob aber gerade nicht, im Gegenteil. In der Schöpfung wird für Hiob klar, wie mächtig und unberechenbar Gott ist. Drücken die Verse somit doch kein Lob Gottes, sondern eher ein Unverständnis über Gottes Größe aus?
Worin erkenne ich Gott? Das Buch Hiob macht deutlich, dass im Leben Dinge geschehen, die sich nicht erklären lassen. Pläne werden durchkreuzt. Leid lässt sich nicht erklären. Aber Gott ist auch im Leid. Auf den zweiten Blick, den Zusammenhang der Bibelverse im Hiobbuch, wird diese Perspektive im Monatsspruch ganz klar.
Nicht immer kann ich Gott in meinem Alltag einfach und leicht erkennen.
Dennoch: Gott gibt sich zu erkennen.
Ich bin vor Kurzem umgezogen. Für mich persönlich hat sich damit tatsächlich der Blick auf den Sternenhimmel durch größere Fenster neu erschlossen. Sogar den „Großen Wagen am Himmel“ entdecke ich abends immer wieder.
Ja, manchmal braucht es einen neuen Blickwinkel im Leben. Bei Ereignissen und Lebensumständen, die sich nicht erklären lassen, braucht es Mitmenschen, die zuhören, die mit-aushalten und vielleicht auch trösten, wie bei Hiob.
Auf die Frage, worin ich Gott erkennen kann, gibt es keine eindeutige Antwort. Trotzdem ist für mich klar, dass es möglich ist, Gott im Alltag wahrzunehmen, zum Beispiel: In der Schöpfung, im Blick in den Himmel oder am Meer. In der „Leichtigkeit“ und dem Staunen von Kindern oder im Dasein eines Mitmenschen.