Wenn ein Mensch einen anderen betrügt, dann tut er etwas, von dem der andere nichts wissen darf: Schüler:innen benutzen einen Spickzettel, Erwachsene verschweigen eine außereheliche Liebe oder bei der Steuererklärung wichtige Fakten. Der größte wirtschaftliche Betrugsskandal in unserer Region betraf die Firma FlowTex in Ettlingen: sie verkaufte 3142 Horizontalbohrmaschinen, die gar nicht existierten.
Aber kann ich mich wirklich selbst betrügen? Der Verfasser des Jakobusbriefes meint das möglicherweise so: ich höre Worte und muss sie in die Tat umsetzen, damit es gut wird. Sonst bleiben es nur leere Worte und ich betrüge mich um das, was aus ihnen entstehen könnte. Ein paar Beispiele: der Arzt empfiehlt mir Bewegung, damit ich gesund bleibe. Ich stimme ihm zu und bleibe trotzdem jeden Abend auf dem Sofa sitzen. Damit betrüge ich mich selbst um das Gute, das mir die Umsetzung dieser Worte bringen könnte. Greta Thunberg hat Politikern vorgeworfen, ihr nur zuzuhören, aber nichts aktiv gegen den Klimawandel zu tun. Damit betrügen sie nicht nur Greta Thunberg und alle nachfolgenden Generationen, sondern auch sich selbst um eine lebenswerte Zukunft auf dieser Erde. Dass Worte „Schall und Rauch“ sein können, wusste schon Goethes Faust und Erich Kästner schrieb: „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.“ Der Verfasser des Jakobusbriefes meinte aber ein besonderes Wort, das in die Tat umgesetzt sein will: das Wort von der Liebe Gottes zu uns Menschen. Die Worte Jesu, der als wichtigste Gebote die Liebe zu Gott und zu den Mitmenschen und die Selbstliebe nennt. Frère Roger, der Gründer der Kommunität in Taizé, sagte es so: „Lebe das, was du vom Evangelium verstanden hast. Und wenn es noch so wenig ist. Aber lebe es.“ Der Monatsspruch für den Oktober ist also ein unbequemer Satz. Eine Herausforderung, genau hinzuschauen: an welcher Stelle muss bei uns aus Wissen, aus Gehörtem, aus einem Lippenbekenntnis eine Tat werden, damit Veränderung geschieht und Gutes entsteht?