Monat September
"Jesus Christus spricht: “Wer sagt denn ihr, dass ich sei?” (Mt 16,15)
von Pfarrerin Ute Jäger-Fleming, Evangelische Paulusgemeinde Baden-Baden

„Für wen hältst Du mich denn?“ vielleicht haben Sie diese Frage selbst schon einmal jemand gestellt. Ich erwische mich manchmal dabei. In der Regel stelle ich sie dann mit einem Ton der Verwunderung. Dann ist klar, der oder die andere schreibt mir eine Rolle zu, die ich nicht erfüllen kann und schon gar nicht möchte. Niemand mag es, wenn falsche Erwartungen an die eigene Person gestellt werden. So zum Beispiel, wenn ein Arbeitskollege seine Arbeit nicht macht und erwartet, dass andere kurz- oder langfristig für ihn einspringen. Oder wenn in der Familie allen klar ist, wer für die Urlaubsorganisation oder die Mülleimerentsorgung zuständig ist, ohne dass die Person jemals gefragt wurde. Nur weil wir etwas gut machen, heißt es noch lange nicht, dass wir diese Rolle automatisch ausfüllen müssen. Schon gar nicht lebenslang.
In diesem „Für wen hältst Du mich denn?“ schwingt dann auch die Aussage mit: „So bin ich nicht. Ich bin mehr. Ich bin anders. Lass mich anders sein. Leg mich nicht fest. Ich kann mehr. Ich will mehr sein. Mehr als ein Lückenfüller. Ich möchte nicht nur deine Fantasien bedienen. Schau noch einmal genau hin und entdecke, wer ich wirklich für dich bin und sein kann.
Ich frage mich, weshalb Jesus seinen Jüngern diese Frage stellte. In seinem Ton schwingt für mich Interesse und Neugier mit. Man erzählte sich viel über ihn. Was aber glaubten die Menschen, die zu seinem innersten Kreis gehörten? Aus einem von ihnen bricht es heraus. „Du bist der Christus. Sohn des lebendigen Gottes“. Sprich: Du bist unfassbar mehr als viele von dir sagen und annehmen.
Und weil Simon erkannt hat, wer Jesus wirklich ist, erhält auch er einen neuen, seinen echten Namen. Petrus. Fels. Mit ihm verbindet sich die Rolle und die Verantwortung, die Gott ihm zugedacht hat.
Und für wen halte ich Jesus? Ich bin neugierig geworden und will noch einmal genau hinschauen und entdecken, wer er für mich sein will und kann. Und für wen er mich hält.
