Monat Juli 2023
"Jesus Christus spricht: Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen, damit ihr Kinder eures Vaters im Himmel werdet." (Mt 5, 44-45)
von Pfarrer Dr. Kenneth Fleming, Evangelische Luthergemeinde Baden-Baden
Diese Worte stammen aus der Bergpredigt. Sie erinnern uns daran, dass der Glaube anspruchsvoll und kostspielig ist.
Wenn Sie alt genug sind, werden Sie sich an dieses Bild erinnern: Es war 1963, als der Krieg in Vietnam tobte. Ein buddhistischer Mönch setzte sich ruhig mitten auf eine belebte Straße in Saigon, sein Assistent half, ihn mit Benzin zu übergießen, und er zündete sich an. Der Mönch bewegte sich nicht und gab keinen Laut von sich, als er bei lebendigem Leib verbrannt wurde.

Es war ein dramatischer und schmerzhafter Anblick. Angesichts der Verfolgung seines Volkes durch die damalige katholische Minderheitsregierung in Südvietnam beschloss der waffenlose Mönch, sein Leben zu opfern, um für den Frieden zu plädieren - dafür, dass Folter und Zerstörung aufhören.
Einige Jahre später besuchte der vietnamesische Zen Mönch Thích Nhất Hạnh Amerika, um für ein Ende des Krieges zu plädieren. Er wurde von Martin Luther King und dem christlichen Trappistenmönch Thomas Merton empfangen. Die beiden Christen wurden von ihrem Volk beschuldigt, unpatriotisch zu sein und die jungen amerikanischen Soldaten, die zu Tausenden starben, zu verraten. Merton sagte später über Thích Nhất Hạnh: „Er ist mehr mein Bruder als viele, die mir aufgrund der Nationalität her näher stehen, weil er und ich die Dinge genau gleich sehen."
Was Merton und Martin Luther King mit dem buddhistischen Mönch verband, war ihr Wunsch nach Frieden, nach einem Ende des sinnlosen Tötens und der Zerstörung. Sie erkannten, dass die Liebe Gottes, die Jesus lebte und verkörperte, grenzenlos war. Sie kann niemals auf ein bestimmtes Land, Volk oder gar eine Religion beschränkt werden. Die Worte Jesu sind heute, angesichts des Krieges in der Ukraine, genauso aktuell wie damals, als sie in der Heimat Jesu, die von einer aggressiven fremden Macht besetzt war, erstmals ausgesprochen wurden.
