Monat März 2023

Was kann uns scheiden von der Liebe Christi? Römer 8, 35
von Pfarrer Alexander Kunick, Evangelische Kirchengemeinde Gaggenau
Das ist eine gute Frage: Was kann uns scheiden von der Liebe Christi? Was kann die Liebe Gottes so fundamental in Frage stellen, dass ich aufhöre zu glauben? Was ist das überhaupt, seine Liebe? Wie fühlt sie sich an? Wie zeigt sie sich? Wo kann ich sie erleben?

Ich glaube, es ist wie in jeder Liebesbeziehung. Es gibt Höhen und Tiefen. Sogar ein Mensch, der nicht glaubt, kann in Zeiten des Hochgefühls einen Gedanken an Gott verschwenden. Er staunt über die wunderschöne Natur. Ein Sonnenaufgang in den Bergen, die Weite an den Gestaden des Meeres. Staunen, durchatmen, Leben spüren. Oder die Geburt eines Kindes. Ein Wunder. So fühlt sich Liebe an. Von Gott.
Liebe aber bewährt sich in der Krise. Eine Binsenweisheit. Und doch schwer zu beherzigen. Wenn sich Liebe nicht mehr nach Liebe anfühlt. Wenn sie sich anfühlt als liege sie auf Eis. Wenn sie sich dahinschleppt, ohne dass sich die Herzen berühren. Ich für mich, der andere für sich. Manchmal über einen langen Zeitraum. Durststrecken können lang sein.
Oder wenn tatsächlich etwas passiert, das die Liebe fundamental in Frage stellt. Der Tod eines Menschen, den ich liebe, eines Kindes.
Gott, du willst mich lieben? Das kann nicht dein Ernst sein. „Zerrissen ist, was du selbst in Liebe zusammengefügt hast“, so las ich kürzlich in einem Gebet.
Was kann uns scheiden von der Liebe Gottes? Mir fällt eine Menge ein.
Doch die Antwort, die Paulus gibt, ist so verblüffend wie einfach. Nichts. Nichts kann uns scheiden von der Liebe Gottes. Der Tod nicht, und auch nicht das Leben. Keine Macht, kein Abgrund. Nichts von alledem kann uns von der Liebe Gottes trennen. In Christus Jesus, unserem Herrn, hat Gott uns diese Liebe geschenkt.
Paulus ist nicht auf Rosen gebettet. Gefangenschaft, Kälte, Bedrohung an Leib und Leben gehören dazu. Dennoch steht für ihn der Grundsatz: Egal, was ist, die Liebe bleibt. Die Liebe, mit der Gott mich liebt. Abgründe tun sich auf, ich bin gehalten. Die Liebesbeziehung kommt in eine Krise, von Gottes Seite steht sie. Unverbrüchlich. Ein für alle Mal.  Gott hat mir in Jesus sein Herz geschenkt, das ist unverrückbar.
Liebe bewährt sich in der Krise. Da heißt zumindest: Ich halte das Gespräch wach. Ich bin verletzt in meiner Seele, der Glaube bricht zusammen. Ich spreche es aus. Gott gegenüber. Mit dürren Worten oder klagend. Gott ist da.
Liebe ist eine Geschichte. Eine Liebesgeschichte. Mit Höhen und Tiefen. Mit Glücksmomenten und mit Verwerfungen. Aber die Liebe setzt sich durch.