Mir ist es andersherum passiert. Meine Tochter formulierte ihn, sie wollte mir etwas erzählen und ich war beschäftigt und abgelenkt mit Dingen, die mir wichtig schienen.
Schau mich an. Nimm mich wahr. Hör mir zu. Ich möchte Aufmerksamkeit. Ich möchte gesehen werden. Und sie hat Recht. Es gibt nichts Wichtigeres, nichts, was Vorrang hätte vor dem Ansehen. Wie oft passiert es uns, dass wir meinen, mehrere Dinge auf einmal erledigen zu können. Noch schnell eine Nachricht abhören, dabei die Einkäufe ins Auto packen und sich dabei erzählen zu lassen, wie es in der Schule war.
Sieh mich an. Nimm wahr, wie es mir geht. Gib mir deine ungeteilte Aufmerksamkeit. Dann spüre ich, dass ich wichtig bin. Dass ich gewertschätzt bin mit dem, was ich mitteilen möchte. Ansehen geben. Dem Anderen Achtung und Würdigung entgegenbringen, mit dem, was er ausmacht. Respekt zollen für das, was er oder sie äußert, indem ich ihn und sie sehe.
Du bist ein Gott, der mich sieht, das spricht Hagar, die Magd Abrams, die den Sohn Ismael auf die Welt bringen wird. Hagar flieht vor Sarai, der Frau Abrams in die Wüste. Dort spricht der Engel des Herrn zu ihr und ermuntert sie, umzukehren.
Erstaunt bemerkt sie „Habe ich hier wirklich denjenigen gesehen, der sich nach mir umsieht?“ Nach mir, die sonst keiner beachtet? Nach mir, die nur ein kleines Rädchen ist? Nach mir, bei der keiner merkt, wenn ich auf einmal nicht mehr da wäre. Hagar richtet sich auf, denn Gott sieht ihre Situation, „er hat mein Elend gesehen“, so spricht sie.
Hagar erhält Ansehen, Gott wendet sich ihr zu und verheißt ihr unzählige Nachkommen. Hagar erhält Wertschätzung in ihrer Situation als Magd und Sklavin von Sarai.
Gott sieht sie an.
„Du bist ein Gott, der mich sieht.“ Das ist ein tröstlicher Gedanke, der Hoffnung und Mut machen kann. Gott wendet sich uns zu. Er sieht uns und spricht uns an, macht Mut, ist nahe.
Auch in der Wüste, auch in Wüstenzeiten, schaut Gott nach uns. Er schaut uns an, wenn wir mit ihm sprechen wollen. Er schaut uns an, wenn er mit uns spricht. Geben auch wir unseren Mitmenschen Ansehen. Schauen wir nach ihnen, geben wir ihnen unsere ungeteilte Aufmerksamkeit und begegnen damit den Menschen in Würde.