Monat November 2022

„Weh denen, die Böses gut und Gutes böse nennen, die aus Finsternis Licht und aus Licht Finsternis machen, die aus sauer süß und aus süß sauer machen.“ (Jesaja 5, 20)
von Pfarrerin Anke Mühlenberg-Knebel, Evang. Kirchengemeinde Bühlertal

Der Monat November ist ein besonderer Monat. Oft ist er kühl und verhangen, es wird schon früh dunkel. Über diesem Monat liegt eine ernstere Stimmung als über den meisten anderen Zeiten.
Manche Menschen stimmt der November traurig, auch, wegen seiner ernsten Feiertage: Allerheiligen, Volkstrauertag, Buß- und Bettag, der Ewigkeitssonntag. Und sie sind froh, wenn er vorbei ist. Für mich ist es allerdings der schönste Monat im Jahr. Er gefällt mir gerade gut, weil er so wahrhaftig und tiefgründig ist. Und weil er mich nachdenklich macht.
Zur „Novemberstimmung“ passt sehr gut unser Monatsspruch aus dem Buch des Propheten Jesaja an. Auch er regt zum Nachdenken an. In seinem größeren Textzusammenhang geht es unter anderem um ungerechte Richter, die das Böse nicht entlarven und die Bösen nicht verurteilen. Gut und Böse, Finsternis und Licht, Süße und Sauerkeit, diese Begriffe und was sie meinen, werden verdreht und verkehrt; Wahrheit und Lüge nicht mehr deutlich unterschieden. Mit drastischen und leidenschaftlichen Worten hält der Prophet Jesaja den Menschen den Spiegel vor, dem Volk Israel zu seiner Zeit und uns heute. Er droht im Namen Gottes „Wehe denen“, die sich hier beteiligen. Aus seinem „Wehe“ hören wir zugleich seine Traurigkeit heraus. Was ist gut, was böse? Richtig und falsch? Was ist Wahrheit und was sind fake news? Was dient dem Leben und was nicht?
Das möchte ich mir vornehmen für diesen besonderen Monat November: in Jesajas Spiegel schauen. Genau hinschauen. Nachdenken. Woran bin ich selbst beteiligt? Mir und anderen nichts vormachen. Wahrhaftig bleiben. Unangenehme Wahrheiten aussprechen. Das Süße genießen und das Saure sauer nennen. Darauf freue ich mich im November, meinem Lieblingsmonat. Amen