"Groß und wunderbar sind deine Taten, Herr und Gott, du Herrscher über die ganze Schöpfung. Gerecht und zuverlässig sind deine Wege, du König der Völker". (Offb 15,3 E)
von Pfarrer Dirk Hasselbeck, Evang. Kirchengemeinde Durmersheim
Mit ernsten Augen und einem ehrlichen Lächeln blickte mich der junge Student aus Kirgisistan an. Er erzählte mir, dass seine muslimische Familie ihn verstoßen hatte und wie er auf seinem Unicampus von anderen Studenten verprügelt wurde – weil er Christ geworden war. Er sprach ohne Verbitterung. Und in großer Freude über die Liebe Jesu, die offensichtlich sein Herz erfüllte. Für seinen Glauben hatte er einen hohen Preis gezahlt – aber wie fröhlich er Gott lobte! Auch unser Monatsspruch ist aus dem Loblied von Christen, die Verfolgung und schwierige Zeiten überstanden haben. Immer wieder ermutigt mich der zuversichtliche und oft fröhliche Glaube verfolgter Glaubensgeschwister in aller Welt – sie loben die wunderbaren Taten Gottes und bekennen Gott, den Vater Jesu Christi, als den König aller Völker. Gerade dort, wo die Kirche nicht in Freiheit, Wohlstand und Frieden lebt, wird das Lob Gottes schön und groß. Warum? Weil es am Kreuz Jesu seinen Anfang nimmt. Am Kreuz, an dem Jesus sein Leben für uns hingab, ist die große und wunderbare Liebestat Gottes vollbracht. Von hier aus gewinnt unser Glaube das Vertrauen in Gottes gerechte und zuverlässige Wege. Mitten in einer Welt voller Ungewissheit und Schrecken. Erinnern wir uns an Paul Gerhardt oder Dietrich Bonhoeffer? Ihre Lieder verweisen uns an den vollkommen vertrauenswürdigen Herrn dieser Welt. Aber sie dichten und singen – der eine aus dem Elend des dreißigjährigen Krieges – und der andere aus einer Tegeler Gefängniszelle. Nicht vom Sonnendeck eines Kreuzfahrtschiffes. Ihr Geheimnis ist das Kreuz Jesu. Krisenfest. Gegründet in Gottes ewiger Liebe. Wenn uns das Lob Gottes schwerfällt, und wenn der Gang der Welt uns Gottes Gerechtigkeit und Zuverlässigkeit eher verdunkelt – gerade dann gewinnt unser Glaube seine Kraft, wenn wir innerlich zum Kreuz gehen und dort Gottes unverbrüchliche Liebe empfangen.