Monat Juli 2022

Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott.Ps 42,3 
von Pfarrer Albrecht Berbig, Evang. Petrusgemeinde Rastatt

Mühsam war der steile Aufstieg in den Dolomiten. Schnell verstanden wir in der brütenden Mittagshitze, warum dieser Weg „Mittagsscharte“ hieß. Volle Sonne, kein Schatten, kein Windchen regt sich. Bald waren die Gespräche verstummt; jeder schaute nur noch auf seinen Weg. Mein bewährter Bergkamerad hatte gierig seinen letzten Schluck aus der Feldflasche genommen. Bald stand er mit bettelnden Augen neben mir: „Ich habe auf der Karte geschaut: Bald kommt ein Brunnen!“ Es fiel mir kein guter Grund ein, diese Bitte abzulehnen. Am versprochenen Brunnen war der Trog völlig ausgetrocknet. Weder mein Bergkamerad noch ich sagten ein Wort. Stumm schauten wir uns an, gingen weiter; die Zunge klebte trocken am Gaumen. Noch Stunden waren wir unterwegs.
Diesen Durst habe ich bis heute quälend in Erinnerung. Aber was ist das schon: Ein paar Stunden Durst? In der Gewissheit: Spätestens heute Abend habe ich genug zu trinken. Mehr als genug! Auf der geplanten Hütte, wo wir unseren Platz reserviert haben.
Ein paar Stunden körperlichen Durst. Schlimm. 
Seelischer Durst nach Gott. Schlimmer? 
Weil man schon erlebt hat, wie das ist, wenn Gott mir den Durst nach gesegnetem Leben oder Gottes-Vergewisserung stillt? Wenn Gott mir spürbar nahekommt – in meinem Innersten? Oder wie beim Psalmbeter im bewegenden Gottesdienst! Ist der Durst nach Gott gestillt, wenn wir spüren: Genau so will es Gott von mir, so wie ich mich jetzt entschieden habe! Durst nach Gott, als Durst nach Seinem JA zu meinem Weg. 
Durst nach Gott aber auch, wenn wir die vielen trostlosen Nachrichten aus Gottes gut gewollter Welt hören und verkraften müssen. Damit wir dennoch weiter ein Segen sein können und wollen. 
Auf jener Bergtour half die Gewissheit, dass wir nach der Durststrecke das lohnende Ziel erreichen werden. Durstig – nur noch unterwegs. Das setzt nötige Kräfte frei für das Jetzt und Hier.