Das Wort „gehorchen“ weckt bei mir negative Bilder, wenn ich an bedingungslosen Gehorsam beim Militär und autoritäre Erziehung denke. Aber ich denke auch an Hunde, die mir als Joggerin bellend hinterherlaufen. „Der will nur spielen“, höre ich von Frauchen oder Herrchen, während das Tier mich schon fast in den Knöchel zwickt. Da hat Gehorsam etwas Positives, genau wie bei dem kleinen Kind, das auf seine Eltern hört und an der roten Ampel stehen bleibt.
Als die Apostel vor rund 2000 Jahren nach der Himmelfahrt Christi predigten, Kranke heilten und die Zahl der Gläubigen wuchs, da wuchs auch der Neid der religiösen Machthaber. Die Apostel bekamen ein Redeverbot, aber sie gehorchten nicht. Als sie vor dem Hohen Rat, dem damaligen obersten Gericht der Juden, damit konfrontiert wurden, antworteten Petrus und andere mit dem Satz: „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen“. Die Apostel durften gehen und taten weiter, was ihnen gerade erneut verboten worden war.
„Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen“ bedeutet, dass es ein „Ranking“ gibt. Man muss Menschen z.B. gehorchen, wenn es um Gesetze geht, die ein gutes Miteinander in Freiheit regeln. Aber wenn das, was Regeln oder Gesetze von mir fordern, dem widerspricht, was ich aus Gottes Geboten erkenne, dann hat das Hören auf Gott das größere Gewicht. Dann muss ich Gott „mehr gehorchen“ und der Widerstand wird zur Pflicht.
Das galt für die ersten Christen genauso wie für die Widerstandsbewegung im Dritten Reich. Und das gilt für mich auch heute, wenn Schüler*innen ihr Recht auf Protest bei „Fridays for Future“ über die Schulpflicht stellen. Wenn Menschen gegen Gesetze in der Landwirtschaft protestieren, die eine Zerstörung der Schöpfung billigend in Kauf nehmen. Wenn Menschen gegen Ausgrenzung aufgrund von Hautfarbe, Geschlecht oder sexueller Orientierung protestieren. Der Bibelvers aus Apostelgeschichte 5 war und ist zu allen Zeiten die Grundlage für christlichen Widerstand.