Monat August 2021

„Neige, HERR, dein Ohr und höre!" Öffne, HERR, deine Augen und sieh her! (2 Kön 19,16)
Von Alexander Kunick, Pfarrer in der Evanglischen Kirchengemeinde Gaggenau

Ich finde schön, dass von Gott in der Bibel sehr menschlich gesprochen wird. Ein zugewandter Gott, mit allen Sinnen den Menschen zugetan. Gott hört und sieht, er ist ganz Ohr, wenn wir zu ihm beten.
Manchmal kommen Zweifel. Ob Gott wirklich hört? Ob er mir so nah ist wie ein bester Freund, dem ich alles sagen kann?
Dein Wort in Gottes Ohr – darin kommt schon ein gewisses Dilemma zum Ausdruck. Die Redewendung steht heute eher für die Skepsis gegenüber allzu großen Hoffnungen oder frommen Wünschen. Im Sinne von: „Wer’s glaubt, wird selig.“ oder: „Die Hoffnung stirbt zuletzt.“ Eine Haltung, die manche gerade in Krisenzeiten befällt.
Es gehört jedoch zu den Urerfahrungen von Menschen in der Bibel, dass Gott das Schreien von Menschen in Not hört.  Am Anfang des Exodus, der ganzen Geschichte Israels steht nicht ein abstraktes Wissen um die Existenz Gottes („dass Gott ist“), sondern die Erfahrung des Erhört-Werdens („dass Gott hört“).
Ich möchte das Beten wieder probieren, mein Wort in Gottes Ohr legen. Meinem Dank, meiner Not, meinem Zweifel Worte verleihen. Immer wieder und immer wieder. Nicht aufhören damit. Er hört. Erhört mein Beten!
Dein Wort in Gottes Ohr es hat dort einen guten Platz, es findet Gehör, es wird nicht vergessen. Gott tut es, auf dein Wort hin, zu seiner Zeit.