„Der Herr aber richte eure Herzen aus auf die Liebe Gottes und auf das Warten auf Christus. (2 Thess 3,5 (L) )
Von Pfarrerin Mirjam Keim, Klinikseelsorgerin Baden-Baden
Glauben Sie an die Liebe? Glauben Sie an die bedingungslose, rechtfertigungslose Liebe? Angenommen sein mit allem Drum und Dran. Ohne Leistung, ohne Wenn und Aber. Vielleicht so, wie sich ein Säugling fühlt, wenn er auf den Arm genommen ist und liebkost wird. Vielleicht so, wie wenn man frisch verliebt ist und alles durch die rosarote Brille sieht. Vielleicht so, wie wenn ich mich ganz fallen lassen kann, ohne Sorge zu haben, wo ich aufkomme. Vielleicht so, wie wenn ich ausgelassen auf einem Fest tanze und lache und nicht an den Morgen denke. Das ist dann ein Stück vom Paradies – vom verlorenen Paradies. Da wollen wir wieder hin. Manchmal stehe ich da – im Paradies – Sie wissen schon, die Wassertreppe am Annaberg in Baden-Baden- und sehne mich danach. Ich sehne mich nach bedingungslosem Angenommensein. Ich sehne mich nach Geborgenheit, nach Anerkennung ohne Leistung, nach Dazugehören ohne Rechtfertigung. Ich sehne mich nach der bedingungslosen Liebe Gottes. Dann bete ich und bitte Gott, dass er mein Herz nach ihm ausrichte. Und dass das Warten ein Ende hat. Dann bete ich mit den Worten, die Nikolaus von der Flühe oder Bruder Klaus zugeschrieben werden: Mein Herr und mein Gott, nimm alles von mir, was mich hindert zu dir! Mein Herr und mein Gott, gib alles mir, was mich fördert zu dir! Mein Herr und mein Gott, nimm mich mir und gib mich ganz zu eigen Dir. Oder mit den Worten des Paulus aus dem Thessalonicherbrief: "Mein Herr und mein Gott, richte mein Herz aus auf deine Liebe und auf das Warten auf Christus." (nach 2. Thess 3,5)