Monat Februar 2022
- 01.02.2022 -
„Zürnt ihr, so sündigt nicht; lasst die Sonne nicht über eurem Zorn untergehen.“ Epheser 4,26
von Pfarrer Alexander Kunick, Evangelische Kirchengemeinde Gaggenau
Das ist eine einfache Anweisung. Zornig sein darf man, aber man soll nicht die Kontrolle über sich verlieren, nicht sündigen. Sich nicht mitreißen lassen von seinem Zorn und die Situation vergiften, den anderen verletzen. Man soll den Verstand einschalten, wenn einen der Zorn überkommt und die Kosten überschlagen und in jedem Fall die Verhältnismäßigkeit wahren. Seine Wut ausleben, ohne Rücksicht, das wäre Sünde und hinterließe mehr zerschlagenes Porzellan als einem lieb sein kann. Ob es dann gelänge, zerstörtes Vertrauen wieder zu gewinnen, kann man nicht wissen. Der Preis für’s „Ausrasten“ wäre zu hoch.
Zorn ist eine Gefühlsäußerung, die wir alle kennen. Zorn darf sein, muss manchmal sein, man kann nicht alles emotionslos hinnehmen. Auch Jesus war zornig, damals, als er die Tische der Händler im Tempel umwarf und mit seinen Widersachern ins Gericht ging. Für eine gute und gerechte Sache streiten, Partei ergreifen für die Schwachen, was einem lieb ist verteidigen, das wäre heiliger Zorn.
Aber auch hier gilt: Die Grenzen sind zu wahren, es ist und bleibt meine Sicht der Dinge, die ein anderer nicht teilen muss. Lasst auf keinen Fall die Sonne über eurem Zorn untergehen. Bewahrt euch eure Gesprächsfähigkeit. Achtet darauf, dass ihr euch weiter in die Augen schauen könnt. Tretet von eurem Standpunkt zurück, bevor das Kind in den Brunnen fällt.
Zornig sein, ja. Aber in einem gesellschaftlichen Klima, in dem Standpunkte immer radikaler ausgetragen werden, ist Versöhnung das höhere Gut. Aufeinander zugehen, sich die Hand reichen, neu das Gespräch suchen. Lasst die Sonne nicht über eurem Zorn untergehen.

