"Ich brenne für den Bildungsbereich"

Helmut Mödritzer bleibt weitere acht Jahre Schuldekan im Evangelischen Kirchenbezirk Baden-Baden und Rastatt.

Bei der Bezirkssynode am 8. März 2024 im Bonhoeffersaal in Baden-Baden wurde Pfarrer Dr. Helmut Mödritzer mit einer großen Mehrheit von 48 Ja-Stimmen in seine dritte Amtszeit als Schuldekan wiedergewählt. Unter den insgesamt 55 abgegebenen Stimmen waren fünf Neinstimmen und 2 Enthaltungen. Stimmberechtigt waren neben den Pfarrer:innen, Diakon:innen und den aus den Kirchengemeinden entsandten Synodalen zusätzlich sechs Religionslehrkräfte.

v.l.n.r.: Dr. Ulrich Zimmermann und Ute Müller (Bezirkssynode), der wiedergewählte Schuldekan Dr. Helmut Mödritzer, Dekan Christian Link, Prälat Dr. Marc Witzenbacher und Oberkirchenrat Wolfgang Schmidt. Foto: Gabriele Leoff
"Religionsunterricht ist keine Pflichtübung, sondern eine wichtige Richtmarke", sagte Prälat Dr. Marc Witzenbacher zu Beginn der Synode. „Jesus weckt die Leidenschaft für Fragen in uns, er gibt uns eine Richtung, einen Kompass. Wir müssen nach ihm fragen und er will sich von sich finden lassen." 
Oberkirchenrat Wolfgang Schmidt sprach sich anschließend auch im Namen der Evangelischen Landesbischöfin Dr. Heike Springhart für eine Wiederwahl des Kandidaten aus: "Mit der Wiederwahl setzen wir auf Kontinuität, gerade in diesen stürmischen Zeiten für die Kirche. Helmut Mödritzer hat den Religionsunterricht in seinem Kirchenbezirk stark gemacht". Theologische und pädagogische Kenntnisse, Besonnenheit und seine geistliche Verankerung zeichneten ihn dabei aus. 
 
In seiner Wahlrede hob Helmut Mödritzer u.a. hervor, wie wichtig es sei, Schulen und Kitas als Orte kirchlicher Präsenz wieder stärker in den Blick zu nehmen: "Glaube muss gebildet sein, ja, er muss gut gebildet sein, will er in der Welt bestehen und sich nicht abschottend einigeln. Ich meine, das gilt heute noch genauso wie damals (bei den Reformatoren)". 
 
Der Großteil des Religionsunterrichts werde heute von staatlichen Lehrkräften erteilt, denen er dafür sehr dankbar sei, so der Schuldekan weiter. Denn allein aus kirchlichen Ressourcen wäre ein flächendeckendes Angebot von Religionsunterricht nicht zu schaffen. Allerdings führe die Delegation und Professionalisierung auch zu einer Versäulung der Aufgabenbereiche: "Hier der Religionsunterricht in der Schule, dort die Arbeit in der Gemeinde, beides weitgehend losgelöst voneinander." Er forderte eine stärkere Verzahnung der unterschiedlichen Handlungsfelder der Kirche, die als gemeinsame Aufgabe von Kirche wahrgenommen und gestaltet werden sollten. 
 
Schule und Gemeindearbeit miteinander vernetzen 
 
"Mit dem Religionsunterricht haben wir die große Möglichkeit, mit jungen Menschen zwei Stunden in der Woche über „Gott und die Welt“, über Jesus Christus, die Kirche und mehr ins Gespräch zu kommen. Zwei Schulstunden, 90 Minuten – welch eine Chance!", führte Mödritzer weiter aus. Zumindest im Grundschulbereich sei dies doch auch die Chance, Schule und Gemeindearbeit miteinander zu vernetzen. "Wir sollten den Lernort Schule als eigenständigen Lernort, dann aber auch als kirchliches Handlungsfeld wahrnehmen. Wir kommen hier mit jungen Menschen in Kontakt, von denen etliche nicht in unseren Gemeinden auftauchen. Aber hier in der Schule können sie Antworten finden auf ihre Lebensfragen. Wir dürfen Kinder nicht allein mit ihren Fragen lassen – und ihnen in aller Freiheit unsere Antworten anbieten." 
 
Es sei heute nicht leicht, Kinder zu unterrichten, fuhr der Schuldekan, der auch selbst seit vielen Jahren als Religionslehrer an Gymnasien tätig ist, fort. Häufig fehlten Disziplin und Erziehung und das Elternhaus als Ort primärer christlicher Sozialisation falle mehr und mehr aus: "Hier kann dem Religionsunterricht zunehmend Bedeutung bei der christlichen Erziehung zukommen. Wir werben für einen Glauben, (...) der sich den Traum von einer gerechten Welt nicht ausreden lässt." 
 
Bei uns geht es um Herzensbildung
 
Im Zeitalter von Künstlicher Intelligenz und Automatisierung seien Empathiefähigkeit und Kreativität, das Offensein für Neues und Überraschendes wichtige, weil urmenschliche Schlüsseleigenschaften. „Bei uns geht es um Herzensbildung“, fasste Mödritzer zusammen.  „Für all das steht unsere Bildungsarbeit in all ihren unterschiedlichen Bereichen und Facetten“. 
 
Zum Schluss seiner Rede wandte sich der Wahlkandidat noch mit einem Appell an die Synodalen: „Ich weiß, wie viel Arbeit für uns alle mit unserem landeskirchlichen Strategieprozess vor uns liegt. Mir ist wichtig: Vergessen Sie dabei den Bildungsbereich nicht! Wir sind ihn uns, unseren Kindern und unserer Gesellschaft schuldig. Denn unsere Kinder fragen uns nach dem Weg. Nicht immer direkt, manchmal verschlüsselt. Ich brenne für den Bildungsbereich. Ich weiß, dass ich hier nicht allein bin. Und ich versichere Ihnen: Unser bezirklicher Bildungsbereich ist bei mir in guten Händen!“
 
Autorin: Gabriele Leoff, Öffentlichkeitsbeauftragte im Kirchenbezirk